Montag, 23. Oktober 2017

Warum Übersetzer keine Übersetzer mehr sein sollten

Das Wort „Übersetzer“ ist ausgeleiert. Es hat meines Erachtens ausgedient und ist nicht mehr treffend, um das zu bezeichnen, was ein Übersetzer aus Fleisch und Blut tut. Warum?

Bedeutungswirrwarr pur: der Begriff „Übersetzer

Was ist ein Übersetzer? Da fallen einem zunächst die Übersetzer von Google, DeepL & Co. ein. Oder ebenfalls in aller Munde: „In-Ear-Übersetzer“, die zwar keine Bedeutung, aber immerhin Wörter zu übersetzen vermögen. Letztere werden zudem gern falsch Simultanübersetzer genannt. Wiederum andere Übersetzer sind Compiler, die in Computerprogrammen von einer Quell- in eine Zielsprache übersetzen. Und sogar Dolmetscher (die aus Fleisch und Blut) werden viel zu oft irrtümlich als Übersetzer bezeichnet!

Bei einem Übersetzer denkt man heutzutage eben nicht (mehr) zuvorderst an die Person, die etwa Werbebotschaften aus einer Fremdsprache überträgt und umtextet. Auch nicht an jemanden, der spezialisiert ist auf Fachübersetzungen zum Beispiel in der industriellen Technik, in der Buchhaltung oder im Versicherungswesen.

Heutige Übersetzer sind Sprachberaterinnen, Untertitler oder lokalisieren Software.

Ein Übersetzer ist kein Übersetzer

Menschen, die (so wie ich) weiter die klassische Übersetzungstätigkeit ausüben, sind ja nicht von diesen anderen Übersetzern verdrängt worden! Statt auf die Frage „Und was machst du so beruflich?“ schwammig mit „Ich bin Übersetzer“ zu antworten, fände ich daher solche Antworten weitaus besser:

- „Ich bin Fachübersetzer für Recht.“

- „Ich lokalisiere Software.“

- „Ich bin Texterin und transkreiere Werbebotschaften.“

- „Ich bin Untertitler für Filme.“

- „Ich berate meine Kunden in sprachlichen Fragen.“

- „Ich bin Journalistin und Übersetzerin.“

- Oder von mir aus auch: „Ich bin als Posteditor tätig.“

Übrigens: Ich habe natürlich nichts dagegen, dass Berufsverbände, welche die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern vertreten, besagten Begriff in ihrem Namen führen. Denn letztlich ist Übersetzen ja der kleinste gemeinsame Nenner, der uns in diesem Beruf verbindet – egal, ob wir Verträge, Werbebotschaften oder Filmuntertitel übersetzen!

Der Begriff „Übersetzer“ ist missverständlich geworden

Fazit: Der Begriff „Übersetzer“ ist so ausgeleiert, dass er zur Beschreibung der konkreten Übersetzerberufstätigkeit nicht mehr zweckmäßig ist. Übersetzer sollten deshalb keine Übersetzer mehr sein, sondern Sprachberater, Softwarelokalisiererinnen oder schlicht Fachübersetzer.

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Donnerstag, 12. Oktober 2017

Googles Pixel Buds: Top oder Flop?

Wieder nur heiße Luft, oder steckt diesmal wirklich mehr dahinter? Googles neue Pixel Buds sind Bluetooth-Ohrhörer, die zum Übersetzen aus und in 40 Sprachen fähig sein sollen.

Google hegt mit der Einführung seiner neuen Pixel Buds den Wunsch, abermals Aufsehen zu erregen. Jedoch zeichnet sich jetzt schon ab, dass sich die Verständigung zwischen Sprachen damit eben einfach wieder nicht automatisieren lässt.



Ganz so neu ist die hinter den Pixel Buds steckende Technik übrigens nicht: Denn mithilfe eines Sprachbefehls aktivieren Nutzer schlicht die Funktion des altbekannten Google-Übersetzers in einer App auf einem Android-Telefon.

Weitere "In-Ear-Übersetzer" anderer Hersteller sollen den Markt ebenfalls bald erobern, so unter anderem der japanische Taschenübersetzer Ili, der Translate One2One des australischen Start-ups Ligmo, die Ohrhörer des Münchner Start-ups Bragi oder der WT2 des chinesischen Start-ups Timekettle.

Die Revolution bei der Verständigung über Sprachgrenzen hinweg wird aber voraussichtlich auch diesmal ausbleiben, genauer: bei der Verständigung zwischen Menschen, die sich eben durch ein gewisses sprachliches Niveau auszeichnet.

Pixel Buds & Co. sind kein Ersatz für professionelle Verdolmetschungen.

Die neuen Pixel Buds mögen nützlich für Touristen sein, für Konversationen, für Facebook. Aber sicher nicht als Hilfsmittel oder gar Ersatz für professionelle Verdolmetschungen im Rechts- oder Wirtschaftsbereich.

Denn Übersetzungs- und Dolmetschprogramme erkennen zwar Wörter, aber keine Bedeutung! Sie sind ungeeignet, oft geradezu tollpatschig, wenn es um etwas sehr Entscheidendes geht: Worte korrekt, gezielt und sensibel einzusetzen.