Montag, 23. Dezember 2013

Leise Menschen – starke Wirkung!

Glauben Sie, leise oder introvertiert zu sein ist eine schlechte Charaktereigenschaft? Ich selbst habe das bis vor ein paar Jahren noch geglaubt. Dann aber bin ich eines Besseren belehrt worden. Mir sind nämlich die Bücher „Still“ von Susan Cain und „Leise Menschen – starke Wirkung“ von Dr. Sylvia Löhken in die Hände gefallen. Und mir ist schlagartig ein Licht aufgegangen: Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben (nach über 30 Jahren!) verstanden, warum ich und – was fast noch faszinierender war – die Menschen um mich herum so sind, wie wir eben sind.

Letzte Woche habe ich mich ganz besonders über meinen neuen Kontakt zu Dr. Sylvia Löhken auf Twitter gefreut. Falls Sie glauben, leise oder introvertiert sein ist eine schlechte Charaktereigenschaft, oder vielleicht gar nicht wissen, wo Sie selbst zwischen den Polen introvertiert und extrovertiert einzuordnen sind, hier mein Tipp: Lesen Sie unbedingt „Leise Menschen – starke Wirkung“ von Dr. Sylvia Löhken oder „Still“ von Susan Cain. Und empfehlen Sie diese Bücher weiter!


Übersetzer sind ja auch eher leise, unauffällige Menschen. Sind Sie Übersetzer, sind Sie wahrscheinlich eher introvertiert. Sie können sich über lange Zeit hinweg hervorragend konzentrieren und in Arbeitsprojekte so richtig vertiefen. Sie bevorzugen allgemein die schriftliche Kommunikation und legen ungeheuren Wert auf Details. Ihr Arbeitsumfeld ist äußerst stimulationsarm. Dieses Fehlen von Außenreizen bei der Arbeit ist für Sie optimal und eine Voraussetzung dafür, um Höchstleistungen zu erzielen.

Sind Sie hingegen Dolmetscher, sind Sie wahrscheinlich eher extrovertiert. Auch Sie können sich über lange Zeit hinweg hervorragend konzentrieren. Sie kommen gut damit zurecht, in ständig wechselnden Arbeitsumgebungen tätig zu sein, und genießen den direkten Kontakt zu anderen Menschen in Ihrem Berufsumfeld. Sie reden gerne und können gewandt mündlich kommunizieren. Außerdem beziehen Sie Energie aus der regelmäßigen Stimulation durch viele unterschiedliche Menschen, Orte und Unternehmungen.

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Mittwoch, 4. September 2013

10 häufige Fragen an Übersetzer

Diese 10 Fragen werden mir häufig gestellt, wenn ich bekanntgebe: „Ich arbeite als Übersetzerin.“

1) Wie viele Sprachen sprichst du?

2) Lohnt sich das überhaupt, Übersetzerin zu werden? Hast du genug zu tun?

3) Übersetzt du manchmal auch Romane?

4) Wozu kaufst du teure Wörterbücher? Findet man das heutzutage nicht alles irgendwo im Internet?

5) Wenn du Übersetzerin für Englisch bist, übersetzt du sicher oft auch ins Englische?

6) Hast du denn keine Angst davor, dass Computer menschliche Übersetzer eines Tages ersetzen werden?

7) Benutzt du selbst auch manchmal Übersetzungstechnik oder Google Translate?

8) Wahrscheinlich übersetzt du nebenher, während du dich aber hauptsächlich um deine kleinen Kinder kümmerst?

9) Wenn du Verträge übersetzt, hast du Jura studiert?

10) Das wäre nichts für mich. Wie hältst du das nur aus, den ganzen Tag allein vor dem Computer zu sitzen?


Hier meine Antworten:

1) Wie viele Sprachen sprichst du?

Antwort: Viele Übersetzer arbeiten mit nur einer Fremdsprache und ihrer Muttersprache. Übersetzer sprechen übrigens nicht bei der Arbeit, sondern sie schreiben. Aus genau diesem Grund müssen Übersetzer auch nicht zwangsläufig die Fähigkeit haben, fremdsprachliche Konversation zu treiben. (Dolmetscher hingegen müssen fremdsprachliche Konversation selbstverständlich beherrschen!)

2) Lohnt sich das überhaupt, Übersetzerin zu werden? Hast du genug zu tun?

Antwort: Ja, der Bedarf an Übersetzungen ist immens. Am Anfang sollten Übersetzer viel Zeit und Mühe in das Marketing für ihr Geschäft investieren, und in dieser Zeit werden wichtige Weichen gestellt. Sobald diese Anlaufphase vorbei ist, gibt es in diesem Beruf sogar außerordentlich viel zu tun.

Startseite meiner Website www.hippe-heisler.de

3) Übersetzt du manchmal auch Romane?

Antwort: Nein. Übersetzer übersetzen Zeugnisse, Bedienungsanleitungen, Werbematerialien, Verträge, Patentschriften, Websites, Unternehmensprofile und vieles andere mehr. Romane übersetzen hingegen die wenigsten Übersetzer (zumindest nicht diejenigen, die ich kenne).

4) Wozu kaufst du teure Wörterbücher? Findet man das heutzutage nicht alles irgendwo im Internet?

Antwort: Man findet in der Tat viel im Internet. Am Kauf guter Fachwörterbücher führt jedoch kein Weg vorbei.

5) Wenn du Übersetzerin für Englisch bist, übersetzt du sicher oft auch ins Englische?

Antwort: Nein, denn Übersetzer übersetzen prinzipiell in ihre Muttersprache. Wer sich schon mal an der Übersetzung eines Textes aus der Muttersprache versucht hat, kann sich vorstellen, wie eigentümlich, unbeholfen oder gar falsch diese sich für einen Muttersprachler anhören muss. (Mitunter kommt auch vor, dass Menschen mit mehreren Muttersprachen aufwachsen oder ihre Muttersprache im Lauf des Lebens wechseln.)

6) Hast du denn keine Angst davor, dass Computer menschliche Übersetzer eines Tages ersetzen werden?

Antwort: Nein. Vor Google Translate und Co. hat kein Übersetzer wirklich Angst. Die Erfahrungen im Übersetzeralltag zeigen ganz klar: Je mehr „künstliche“ Übersetzer vermeintlich zu leisten imstande sind, desto mehr haben „echte“ Übersetzer zu tun.

7) Benutzt du selbst auch manchmal Übersetzungstechnik oder Google Translate?

Antwort: Ja. Übersetzungssoftware ist schon seit langem ein fester Bestandteil der Arbeitsausrüstung von Übersetzern. Um Google Translate machen wir jedoch bevorzugt einen weiten Bogen. Beliebt sind hingegen jegliche Programme der computergestützten Übersetzung, sog. CAT-Tools, z. B. MemoQ, Trados, Déjà Vu, XTM usw.

Übersetzungssoftware MemoQ

8) Wahrscheinlich übersetzt du nebenher, während du dich aber hauptsächlich um deine kleinen Kinder kümmerst?

Antwort: Nein. Übersetzen als Beruf wird oft unterschätzt oder nicht ernst genommen. Tatsache ist aber, dass viele Übersetzer sogar Familienernährer sind. Und natürlich ist auch eine Berufsbetätigung wie Übersetzen nur dann möglich, wenn man ungestört arbeiten kann. (Übersetzer sind übrigens nicht ausschließlich weiblich!)

9) Wenn du Verträge übersetzt, hast du Jura studiert?

Antwort: Nein. Übersetzer sind zwar auf ganz speziellen Fachgebieten gut beschlagen, sind jedoch weitgehend Semispezialisten. Dies reicht grundsätzlich aus, um professionell zu übersetzen. Übersetzer haben jedoch ein Gespür dafür, für welche Textpassagen ihre Semispezialisierung nicht ausreicht, und wenden sich in solchen Fällen an Fachleute auf dem jeweiligen Gebiet.

10) Das wäre nichts für mich. Wie hältst du das nur aus, den ganzen Tag allein vor dem Computer zu sitzen?

Antwort: Viele Übersetzer entscheiden sich für die Ausübung des Übersetzerberufs daheim gerade deshalb, weil sie wissen, dass sie am produktivsten arbeiten, wenn sie allein sind. Gute Übersetzer verbringen zudem nicht den ganzen Tag vor dem Computer, sondern drucken ihre Texte auch aus, um sie auf Papier genau zu prüfen! Und völlig allein sind selbst Übersetzer nie: Die vielfältigen Kommunikationskanäle der heutigen Zeit ermöglichen – immer wenn nötig – den Austausch mit Kollegen, Kunden und Gleichgesinnten.