Montag, 13. August 2012

Übersetzen: Vom tonlosen Kommunizieren zwischen Sprachen

Übersetzen ist tonloses Kommunizieren zwischen Sprachen, denn Übersetzer und Übersetzerinnen arbeiten am Computer. Übersetzen erfordert Introvertieren, also intensive Gedankenarbeit. Gedankenarbeit kann nur leisten, wer sich in sich wendet; nichts Anderes bedeutet introvertere in der Übersetzung aus dem Lateinischen. Im Duden wird Introversion definiert als Konzentration auf die eigene Innenwelt.

Wer imstande ist, sich in sich zu wenden, hat Eigenschaften, ohne die Übersetzen auf Dauer unmöglich wäre: Introversion zeichnet sich aus durch die Fähigkeit, besser schriftlich als mündlich zu kommunizieren, ist also ideal zum Übersetzen, das letztlich nichts Anderes ist als schriftliches Kommunizieren. Viele Introvertierte haben, so wurde festgestellt, eine größere mentale Ausdauer als Extrovertierte und sind beharrlicher und unabhängiger, weil sie weniger auf Rückmeldungen ihrer Umwelt angewiesen sind. Sie denken auch gerne länger nach, bevor sie sich äußern. Es ist sogar erwiesen, dass die Gehirnbahnen und das vegetative Nervensystem von Introvertierten besonders auf Konzentration und Reflexion ausgerichtet sind. Natürlich leugnet niemand, dass auch Extrovertierte diese Eigenschaften haben können; nur wurden sie an Introvertierten viel häufiger beobachtet. Und schließlich ist auch kein Mensch hundertprozentig introvertiert oder extrovertiert.


Reden ist Silber, Schweigen wäre in vielen Situationen völlig unmöglich oder unangebracht, aber ist manchmal eben doch Gold. Es steht außer Frage, dass Reden im Prinzip unvollkommen ist. Reden heißt, Begriffsunschärfen, unglückliche Formulierungen und nicht zuletzt auch Fettnäpfchen in Kauf zu nehmen. Wer hat beim Reden schon die Zeit genau nachzudenken? Der Luxus des Nachdenkendürfens ist genau das, was Introvertierte an ihren Berufen schätzen.

Erzählen Sie mal einem Extro, dass Intros Intro-Tätigkeiten nicht nur Spaß machen, sondern manchmal sogar Erholung bedeuten können, und Sie werden ungläubige oder sorgenvolle Blicke ernten: Sieben Stunden am Computer, total allein? Ohne zu reden? Wie lässt sich das aushalten? Durch einschlägige Studien ist belegt: Intros beziehen gerade aus dem Alleinsein die für bestimmte Alltagsaufgaben benötigte Energie. Extros hingegen – gerade wenn sie extrem extrovertiert sind – fangen schnell an sich zu langweilen, wenn sie sich über längere Zeit keinen Außenreizen aussetzen.

Dass Extrovertiertsein in manchen Kulturen – an Schulen, in der Geschäftswelt und auch im Privatleben – regelrecht glorifiziert wird, während Introvertiertsein häufig mit Schüchternheit oder nicht vorhandenem Interesse an Sozialkontakten verwechselt und bisweilen sogar pathologisiert wird, ist unverständlich und nicht zuletzt auch unsportlich! Auch wenn diese Einsicht manchen missfallen dürfte: Die Welt braucht Intros ebenso wie Extros. Überlegen wir uns zudem, welche Spuren die „großen Introvertierten“ wie Albert Einstein, Isaac Newton, Immanuel Kant, Charles Darwin, Mahatma Gandhi, Vincent van Gogh, Königin Elizabeth II., Barack Obama, Hillary Clinton, Warren Buffett, Bill Gates, Larry Page, Steve Wozniak, Mark Zuckerberg, Joanne K. Rowling, Michael Jackson oder Steven Spielberg in der Welt hinterlassen oder was sie ins Rollen gebracht haben.